Von Lohkoppen und Steinriegeln

Führung im Steinbachtal mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege

Zu einer kleinen Zeitreise begrüßten Till Scholl und Jasmin Grypa, Gebietsbetreuer für das Taubertal beim Landschaftspflegeverband Mittelfranken rund 40 Exkursionsteilnehmer vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) im Steinbachtal. Die Besucher tauchten über ein wildes, naturbelassenes Seitental hinab und wurden mit dem Anblick eines blühenden Küchenschellenteppichs im Ruhbachtal begrüßt.

Hier befindet sich eine der wenigen bereits seit Jahrhunderten beweideten, südexponierten Pflegeflächen. Denn im Taubertal wurden die Südhänge bis ins 19. Jahrhundert für den Weinanbau genutzt. Die Weidefläche wurde in den letzten Jahrzehnten aufgrund der fehlenden Nutzung zunehmend vom Gehölz eingenommen. Seit letztem Jahr laben sich nun wieder 14 Ziegen an den Gehölzen und drängen diese langsam zurück, die im Taubertal seltene Küchenschelle wird dadurch weiterhin gesichert.

Nach einem kurzen Ausflug auf den Trockenrasen und verschiedenen fachlichen Expertisen, wurden die Teilnehmer aus ganz Deutschland weiter ins Steinbachtal geführt. Dort wandert der Blick über steile Talhänge mit Trockenrasen, Hecken, Steinriegel, Trockenmauern und den verschiedenen Waldlebensräumen. Die enge Verzahnung dieser Lebensräume ist der Hauptgrund für den hohen Naturschutzwert des Taubertals. Die kleinparzellierte Landschaft ist zur Zeit des Weinbaus entstanden. Nach dem Ende des Weinbaus im 19. Jhd. wandelte sich die Landnutzung von Hackfrüchten auf Ackerterrassen über Heu- und Obstwiesen zu wertvollen Naturschutzflächen. Die aufwendige Mahd dieser Steilhangflächen wird über den Landschaftspflegeverband mit Geldern des Freistaats Bayern gefördert. Eine der wichtigsten Aufgaben der Gebietsbetreuung im Taubertal ist es, solche Landschaftspflegemaßnahmen zu unterstützen und zu begleiten.

Dazu gehört auch die ehemaligen Trockenmauern zu restaurieren. Denn um die Flächen mähbar zu halten, müssen die Pfleger mit ihrem Mäher die Trockenmauern erklimmen und das Mähgut über diese nach unten transportieren. Dadurch erschweren sie die Pflegearbeiten und damit die Offenhaltung der wertvollen Flächen erheblich. Umso wichtiger ist es diese kulturhistorisch und ökologisch wertvollen Relikte wieder Stein für Stein in mühevoller Handarbeit zu errichten. Dies ist jedoch sehr aufwändig und nur dank der Gebietsbetreuung möglich.

Doch nicht nur die Trockenmauern sind ein wertvolles Kulturgut im Taubertal, auch die Jahrhunderte alten Kopfeichen sind ein Relikt aus früherer Nutzung. Früher wurden die sogenannten Grenzkoppen alle paar Jahre auf Kopf geschnitten, also in 2-3-Meter Höhe geköpft. Eine immer wiederkehrende Nutzung des frischen Austriebes als Brennholz war so möglich. Lohkoppen werden Sie auch genannt, weil von ihnen früher die sogenannte Lohrinde zum Gerben gewonnen wurde. Diese knorrigen Kerle sind Refugien für Holzbewohner und faszinierende Skulpturen in der Landschaft.

Die Kopfbäume sichern als Biotopbäume den genetischen Austausch von Arten aus benachbarten Wäldern und bieten Lebensraum für bis zu 1000 verschiedene Arten. Welche Käferarten sich hier verstecken, wollten die Gebietsbetreuer genauer wissen und ließen die Kopfbäume in Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung kartieren. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass die jahrhundertealten Kopfbäume 4 Urwaldreliktarten, 1 FFH-Art und sogar eine in Bayern als ausgestorben geltende Käferart beherbergten.  Aus diesen Ergebnissen soll nun ein Pflegekonzept für die bruchgefährdeten Kopfeichen erarbeitet werden. Ziel ist es, künftig wieder vermehrt alte, eingewachsene Eichen-Kopfbäume freizustellen und auf Kopf zu schneiden.

Mit diesen brandneuen und großartigen Ergebnissen wurde die Führung oben an der Eselssteige beschlossen. Das Taubertal beherbergt dank seines eng verzahnten Mosaiks eine Vielzahl von Arten und die Pflege der Flächen oder auch eines einzelnen Baumes ist essentiell um diese Vielfalt zu erhalten. Diese Erkenntnis begleitete die Teilnehmer mit nach Hause, wo sie ebenfalls für den Naturschutz kämpfen.


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