Ungeahnter Reichtum in den alten Riesen

Alteiche Eysölden Margareta Kozik

Schnellkäfer, Jagdkäfer und Eremit - holzbewohnende Kä-fer, Relikte einer Zeit in der in Mittelfranken große Eichenurwälder die Landschaft be-deckten. Bisher galten diese Arten als verschollen, als vom Aussterben bedroht.
Im Landkreis Roth konnten sie im vergangenen Jahr im Rahmen des Projektes „Alteichen im Landkreis Roth“ wiederentdeckt werden. Klaus Fackler, Geschäftsführer des Land-schaftspflegeverbands Mittelfranken, Landrat Herbert Eckstein, Bürgermeister Georg Küttin-ger und Regierung von Mittelfranken Dr. Gabriele Kluxen blicken mit Hoffnung auf diese Tiere, die zeigen, dass das gemeinsame Engagement in der Landschaftspflege Früchte trägt.
Der Hutanger in Eysölden, Thalmässing ist eine dieser Erfolgsgeschichten einer ge-lungenen Zusammenarbeit und von bayernweiter Bedeutung! Noch bis 1950 weideten die Kühe des Dorfes im Schatten der großen, alten Eichen. Dann verschwanden die Tiereund unter den Eichen wurde teils Ackerbau betrieben. Bis 2017 Landschaftspflegeverband Mittelfranken, Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz und Markt Thalmässing die Initi-ative ergriffen. Blütenreicher sollten die Flächen unter den Rother Riesen, den beeindrucken-den Alteichen werden um den Schutz dieser im Landkreis einzigartigen Bäume zu gewähr-leisten. Auch Marktrat und Landwirte stimmten zu, eigens säte jeder Landwirt die an ihn ver-pachteten Flächen mit gebietsheimischen Blütenpflanzen und Gräsern ein. Die Kosten über-nahm der Markt Thalmässing, der die Fläche in sein Ökokonto einbrachte. Eine Investition die sich gelohnt hat:
Allein 282 Holzkäferarten und 239 sonstige Käferarten entdeckte das renommierte Büro Ro-salia Andreas Weigel bei seinen Aufnahmen in fünf Alteichenbeständen im Landkreis Roth, doch was ist das Besondere daran?
Ausgestorben geglaubte Jagdkäfer, Pochkäfer und der wenig rühmlich klingende „Bleiche Alteichen-Nachtbock“ wurden erstmals in Bayern wiederentdeckt. Dazu kom-men sechs in Bayern vom Aussterben bedrohte Holzkäferarten – Schnellkäfer, Rindenkäfer, Baummulmkäfer. Und in den Rother Riesen bei Schloss Kreuth in Heideck konnte auch der europaweit bedeutsame Eremit, ebenfalls ein Holzkäfer gefunden werden. Wie gut dass diese Alteiche schon viele Jahre als Naturdenkmal im Landkreis Roth unter Schutz steht.
Der wohl größte Höhepunkt ist der Fund von sechs Urwaldreliktarten. Urwälder in Mit-telfranken? Die Arten bestätigen, dass einst Eichenurwälder die Landschaft in Mittelfranken bedeckten und dass die heute noch vorhandenen Alteichen auf eine Jahrhunderte bis Jahr-tausendalte Geschichte zurückblicken können. Natürlich nicht jeder einzelne Baum. Aber wie bei einer Familie, die seit Generationen ihr altes Bauernhaus bewohnt, zeugen diese Baum-riesen von einer immerwährenden Eichentradition, den Urahnen der heutigen Eichen.
Über 90 dieser Holzkäfer stehen auf der Roten Liste Deutschlands, über 80 Arten auf der Roten Liste Bayerns, einer Liste die gefährdete, verschollene und ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten verzeichnet. Diesen bislang ungeahnten Artenreichtum zeigen der Hutan-ger in Eysölden, die Rother Riesen am Schloss Kreuth in Heideck, Waldeichen auf einer Flä-che der Wolfsteiner Altenheimstiftung, ein Alteichenbestand der Gemeinde Rohr in Göcken-hof und Alteichen der Stadt Hilpoltstein im Gesamten. Der Erhalt kann nur gelingen wenn alle Beteiligten zum Schutz der Alten Eichen zusammenarbeiten: Landschaftspflegeverband, Regierung, Gemeinden, Untere Naturschutzbehörde, Forst, Landesbund für Vogelschutz, Landwirte, Jagdgenossenschaften, Verbände und Privateigentümer. Wie hier in Eysölden-Thalmässing engagiert man sich auch in anderen Gemeinden des Landkreises Roth für den langfristigen Schutz der Baumriesen und setzt ein Zeichen für den landesweiten Biotopver-bund.
Der Landschaftspflegeverband Mittelfranken betreut bis heute den Hutanger in Eysölden und im Rahmen des Projektes „Erhalt von Alteichen im Landkreis Roth“, im Auftrag der Regie-rung von Mittelfranken über 367 Eichen (in 35 Beständen), Tendenz steigend. Als Teil der Bayerischen Biodiversitätsstrategie stellen das Land Bayern und der Bezirk schon seit 2016 Fördergelder für diese wertvollen Lebensräume zur Verfügung.
Ein wesentliches der Landschaftspflegeverbände in Bayern konnte auch am Hutanger in Eysölden umgesetzt werden: Die konstruktive Umsetzung von Naturschutz mit Land- und Forstwirtschaft. Denn noch heute bewirtschaften vier Landwirte, darunter zwei im Vollerwerb, ein Nebenerwerbslandwirt und Jäger und ein Schäfer die Flächen unter den Kronen der jahrhundertealten Bäume und führen so die Tradition des menschlichen Wir-kens in der sich wandelnden Kulturlandschaft fort.
Der Landschaftspflegeverband Mittelfranken betreut in Mittelfranken acht Land- und Stadt-kreise und 170 Mitgliedsgemeinden. Allein im Landkreis Roth setzte der Verband seit 2015 Landschaftspflegemaßnahmen in Höhe von über 1,6 Mio Euro um, das Besondere: der Großteil der Gelder kommt direkt den umsetzenden Land- und Forstwirten zugute, über 1,3 Mio. Auf diese Weise sorgt der Landschaftspflegeverband für den Fluss bayerischer Förder-gelder aus der Landschaftspflegerichtlinie in die mittelfränkischen Landkreise und unterstützt Erhalt und Schönheit der heimischen Kulturlandschaft.


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