Nestruhe im Wiesengrund

Das Umweltamt der Stadt Erlangen, die Erlanger Landwirte und der Landschaftspflegeverband Mittelfranken machen auf das Wegegebot während der Aufwuchs- und Brutzeit aufmerksam. Um auf die Bedeutung der Einhaltung des Wegegebots aufmerksam zu machen, fand im Regnitztal eine Sprayaktion statt, bei der mit ungiftigem Ökofarbspray eine Wiesenbrüterschablone auf die Wege gesprüht wird.

Der Nutzungsdruck auf das Landschaftsschutzgebiet Regnitztal als Erholungsraum war schon immer groß. Aufgrund der Schließungen und Einschränkungen von anderen Freizeitmöglichkeiten durch Covid-19 hat der Druck auf die Flächen jedoch noch einmal stark zugenommen. Auch wenn es in Bayern ein Betretungsrecht der freien Natur gibt, so wird dieses während der Aufwuchs- und Nutzzeit (März – September) auf landwirtschaftlichen Flächen eingeschränkt. Dies bedeutet, dass die Wiesen im Regnitztal, aber auch alle anderen landwirtschaftlich genutzten Wiesen z.B. im Seebach- oder Aurachtal während dieser Zeit nicht betreten werden dürfen – ausgenommen davon sind die entsprechend gekennzeichneten und reichlich vorhandenen Freizeitflächen. Auch die Nutzung von Trampelpfaden durch die Wiesen hindurch ist nicht zulässig, da es sich dabei um keine offiziellen Wege handelt. In diesem Zeitraum dürfen die landwirtschaftlich genutzten Wiesenflächen auch nach einer Mahd nicht betreten werden – denn nach der Mahd beginnt direkt der nächste Aufwuchs. Unterstützt wird dieser erneute Aufwuchs im Sommer durch die seit Jahrhunderten praktizierte Tradition des Wässerns der Wiesen über Bewässerungsgräben, die früher von Wasserrädern und heute von Pumpstationen gespeist werden. Ohne diese Bewässerung wäre aufgrund der sandigen Böden und des geringen Niederschlages eine weitere Heuernte im Regnitztal nicht möglich.

Die Landwirte als auch der Naturschutz sind hier auf das Verständnis und die Mitwirkung der Erlanger Bevölkerung angewiesen. Die Landwirte benötigen das Gras und Heu für ihre Tiere. Wird dieses durch Müll und Kot verschmutzt oder flächig durch zu viele Menschen niedergetrampelt, kann die Versorgung der Tiere durch regional erzeugtes Futter nicht mehr gewährleistet werden. Doch nicht nur für die Landwirtschaft, auch für den Naturschutz ist eine Beachtung des Betretungsverbotes von hoher Bedeutung. So bietet das Regnitztal ein reiches Nahrungsangebot für zahlreiche Vogelarten wie z.B. für den Weißstorch. Doch wenn abgemähte Wiesen als Startbahn für Gleitschirmflüge und Windsurfer genutzt werden, stellt dies eine enorme Störung für die Störche und andere Nahrungsgäste als auch für brütende Vögel dar. Auch der Kiebitz, ein bodenbrütender, vom Aussterben bedrohter Vogel, ist ganz besonders auf die Rücksichtnahme des Menschen angewiesen. Das Regnitztal mit seinen artenreichen Wiesen stellt grundsätzlich ein geeignetes Umfeld für eine Brut dar, doch nimmt sein Bestand bei uns laufend ab. Grund hierfür sind unter anderem auch die massiven Störungen durch Menschen und Hunde fernab der Wege.

Wir bitten deshalb um das Verständnis und das Mitwirken der Erlanger Bevölkerung beim Schutz der Artenvielfalt und einer nachhaltigen, regionalen Landwirtschaft.

Bitte betreten Sie während der jetzt beginnenden Aufwuchs- und Vogelbrutzeit nicht die Wiesen und halten Sie Ihre Hunde an der Leine.

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© Landschaftspflegeverband Mittelfranken