Biotoppflege mit Tradition

Gleich zwei unserer wertvollsten Pflegeflächen mit überregional bedeutsamem Arteninventar liegen in der Gemeinde Flachslanden: Die Geschützten Landschaftsbestandteile "Streuwiesen an den Rohrweihern" und "Stöckfeld".

Die Flachmoore mit Vorkommen z. B. von Sumpf-Sitter, Fettkraut, Moorfrosch und Kammmolch werden seit nunmehr 43 Jahren nach naturschutzfachlichen Gesichtspunkten, also sehr schonend, gepflegt. Federführend ist dabei unser Vorstandsmitglied UM.

Die Mahd erfolgt grundsätzlich nur mit Balkenmähern und immer mosaik- oder steifenförmig, um das Überleben sowohl mahdbedürftiger als auch mahdempfindlicher Pflanzen und Tiere zu sichern. Der Haupt-Mähtermin wird frühestens auf Ende August gelegt, so dass auch spät blühende Pflanzenarten zur Samenreife kommen können.

Der LPV kümmert sich um Zuschussantrag nach LNPR und die Abrechnung. Mähen und Schwaden der Streu erledigen Bund Naturschutz und neuerdings Klaus Rainer aus Moratneustetten, der sich als Dienstleister auf Landschaftspflegearbeiten spezialisiert hat. Er sorgt auch für die Verwertung der Streu, teils als Viehfutter, teils zur Kompostherstellung.

Maschinen würden auf dem sensiblen Moorboden einbrechen und die Vegetation schädigen. Deshalb erfolgt das Abräumen der Streu ganz bewusst per Hand. Dazu braucht es viele fleißige Hände. Deshalb wird der Einsatztermin schon frühzeitig im Jahr bekannt gemacht.

Kurz bevor es ernst wird werden dann Teilnehmende der Vorjahre und Interessierte persönlich von Uli Meßlinger angerufen, auch um die ungefähre Zahl der helfenden Hände und danach hungrigen Mäuler zu eruieren. Denn der Tag ist nicht nur zum Schuften da. Ein gutes Vesper und Zeit für Beobachtungen und Gespräche gehören genauso dazu.

Viele Helfer*innen sind schon jahrzehntelang dabei. Dass sie immer wieder kommen, zeigt nicht nur ihre Verbundenheit mit der Natur. Sondern auch, dass es Spaß macht und informativ ist, gemeinsam Landschaft zu pflegen.

Auch wegen der Möglichkeit zum intensiven Austausch finden sich Naturfreunde, Fachleute aus Naturschutzbehörden und -verbänden, Kommunalpolitiker*innen und auch ganze Familien ein. Also nicht nur, um stur Streu herauszutragen. Bis zu 40 Personen zwischen 7 und weit über 70 Jahre alt helfen mit und erleben dabei auch noch etwas:

Allein neun Amphibien- und Reptilienarten haben vor allem die Kinder nebenbei "erbeutet", dazu konnten ihnen seltene Heuschreckenarten, bunte Schmetterlinge und viele aus Nutzwiesen längst verschwundene Pflanzenarten vorgestellt werden.

Sogar "Stargäste" wie Eisvogel, Bienenfresser, Fischadler oder sogar Seeadler sind praktisch in jedem Jahr just beim Pflegeeinsatz über der Streuwiese zu sehen. Quasi zur Qualitätsprüfung aus der Vogelperspektive …

 

Fotos: Ulrich Meßlinger


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